Weiterführende Schule, weitere Probleme

Gymnasium. G8. Zwei Mädels und ein Junge aus ihrer Grundschulklasse sind in Tochters neuer Klasse. Man versteht sich, trifft sich zum Spielen, Quatschen, Musikhören etc.

Mitte 5. Schuljahr.

Mutter und Vater sind genervt, weil das Kind außer Hausaufgaben nix – ABSOLUT NIX – für die Schule zu tun bereit ist. Aber: es gibt Halbjahreszeugnisse. In Sozialverhalten und Deutsch 2. Ansonsten durchgehend 1. Warum freut sich das Kind nicht?

Die Zeit vergeht, die guten Noten nicht. Die Eltern sind stolz, das Kind ist ruhig.

Die 6. Klasse beginnt.

Es bleibt dabei, dass nur die nötigsten Hausaufgaben erledigt werden. Es bleibt aber auch bei den sehr guten Resultaten.

„Nun sitz doch nicht die ganze Zeit mit den Romanen in deinem Zimmer rum. Geh doch mal raus!“

„Warum lädst du denn niemand mehr ein, nach der Schule zu uns zu kommen?“

„Willst du dich nicht mal auf ein Eis mit deinen Freundinnen treffen? Ihr könnt auch shoppen gehen, kannst einen Zuschuss zum Taschengeld kriegen.“

Selten wird sie aktiv.

Ich versteh es nicht. Denn wenn die Gören mal bei uns im Haus sind, haben sie alle Spaß miteinander. Auch meine Tochter. Auch bei den Lern-Treffs. Und die Pyjama-Partys sind für alle immer ein Highlight.

Kurz vor Weihnachten 2012.

Meine Tochter sitzt beim Gutenachtsagen weinend im Bett. Sie war sowieso schon nicht das It-Girl der Klasse, aber nun wurde von einem Mädchen ein Anti-Streber-Club gegründet, der gegen sie gerichtet ist. Eine ihrer letzten paar Vertrauten ist schon Mitglied, die andere soll angeworben werden, bald steht sie ganz alleine da. In der Schule wird bei jeder Antwort, die sie gibt, „Streber“ quer durchs Klassenzimmer gezischelt.

Langes Gespräch. Kind schreibt an die Mädels eine Mail, warum sie das tun würden und dass sie das sehr verletzt. Man spricht sich aus.

Ich telefoniere mit der Klassenlehrerin. Die kann sich nicht erklären, warum meine Tochter so ins Abseits manövriert wird. Sie würde weder arrogant noch besserwisserisch wirken und sei jederzeit bereit, anderen zu helfen. Bitte darum, das Thema Mobbing auf die Tagesordnung zu setzen, ohne direkt jemand anzusprechen. Vielleicht hilft es ja.

Das Halbjahreszeugnis kommt.

Mein Kind ist in Spanisch besser als das Mädel mit dem spanischen Opa. Deshalb redet diese nicht mehr mit meiner Tochter.

Der aktivste Zischler verlässt die Klasse, wird querversetzt.

Meine Tochter beschließt, nicht mehr so gut zu sein. In Mathe lässt sie Teilaufgaben der Klassenarbeit einfach aus. In Deutsch unterstreicht sie Satzteile in ästhetisch-ansprechendem Farbwechsel, aber absolut nicht aufgabenkonform.

Sie hat beide Male NICHT die beste Klassenarbeit und wird verhöhnt. Sie ist ratlos und verletzt, fühlt sich unerwünscht, hässlich und verkriecht sich in ihrem Zimmer in Bücher. Wenn sowieso alles falsch ist, was sie macht, kann sie auch gute Noten schreiben, dann kriegt sie wenigstens von Lehrerseite Anerkennung.

Ich melde sie beim JuJutsu an, damit sie mal was anderes macht und andere Leute kennenlernt.

Sie hat vor den Sommerferien wieder das beste Zeugnis der Klasse, scheint aber nicht so sehr darunter zu leiden.

Reiterfreizeit in den Sommerferien. Beide Töchter sind dabei und ein Mädel aus der Klasse der Großen. Keinerlei Probleme, alle verstehen sich blendend.

Danach gibt es nur sporadischen Kontakt. Mal sind wir weg, mal die anderen. Ist halt so.

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